Rolandsage

Wie die Cumlosener Fischweiber den Roland verzechten

Cumlosen ist früher ein Fischerdorf gewesen, dem der Fischreichtum der Elbe ein gutes Auskommen bot.

In ganz alten Zeiten soll es jedoch größere Bedeutung gehabt und sogar einen Roland besessen haben als Zeichen von Marktrecht und Gerichtsbarkeit.
Am Deich, so wurde immer gesagt, hätte er wohl gestanden, gegenüber dem "roten Hof", jener Stelle, wo sich vielleicht einmal die Cumlosener Burg befand. Inzwischen ist jedoch schon lange weit und breit nichts mehr von einem Roland zu sehen. Warum, das soll auf einer Begebenheit beruhen, die nun schon ein paar hundert Jahre zurückliegt:

 

Damals mußten die Cumlosener Fischfrauen den Fang ihrer Männer zum Wochenmarkt nach Perleberg bringen. So zogen sie wöchentlich einmal mit der Kiepe auf dem Rücken früh, wenn es noch dunkel war, los und kamen erst abends spät wieder nach Hause. Ob im Sommer mit Brassen, Barsch, Hecht oder Räucheraal, um die Weihnachtszeit herum mit Quappen oder zum Jahresanfang mir geräuchertem Schnäpel, immer gingen sie den selben Weg von ihrem Heimatdorf aus durch die Heide bis hin nach Perleberg. Dort auf dem Markt angelangt, waren die Fische meist bald verkauft. Doch der Weg war weit gewesen und beschwerlich, und nach des Tages Geschäften erwartete die Fischerfrauen ein ebenso langer Heimweg.

So ist es kein Wunder, daß sie eine Stärkung brauchten, erstmal eine als Erholung für den Hinweg, dann noch eine als Kräftigung für den bevorstehenden Rückweg. Und was war dafür besser,als ein ordentlicher Schluck Branntwein, der die Lebensgeister so richtig erweckte? Die Perleberger Krugwirte hatten davon genug, und wenn den Fischerfrauen das Geld ausging, machten sie keine großen Umstände und schrieben die Schulden an. So ging das Jahr für Jahr, und die Schuldenliste wurde immer länger. Schließlich, als man ihnen nichts mehr geben wollte, verpfändeten die Fischerfrauen sogar den heimatlichen Roland. Als irgendwann aber doch die Geduld der Wirte zu Ende ging, wandten sich diese an den Perleberger Stadtrat, damit der ihen zu ihrem Geld verhelfe. Der Rat schickte einige Ratsherren nach Cumlosen, wo die Fischer aus allen Wolken fielen, als sie die ganze Geschichte erfuhren. Geld zu zahlen, hatten sie nicht, ihren Roland pfänden lassen- nein, das ging auch nicht. So jagten sie kurzerhand die Ratsherren aus dem Dorf und dachten, damit wäre alles erledigt. Die Perleberger gaben jedoch nicht auf. Heimlich, bei Nacht und Nebel, erschienen sie in Cumlosen, holten den Roland weg uns stellten ihn auf den Perleberger Marktplatz.

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