Heimatstube Cumlosen

Willi Erich Westermann
* 30.11.1914
† 13.09.1993

Willi Westermann war ein echter und aufmerksamer Sohn seiner Prignitzer Heimat. In Cumlosen geboren, verbrachte er sein ganzes Leben in diesem Ort. Nach dem Besuch der Dorfschule absolvierte er, in Vorbereitung seines künftigen Berufes, die Handelsschule in Wittenberge. Danach erlernte er den Beruf eines Textilkaufmanns, ebenfalls in Wittenberge. Nach Abschluß seiner Lehre arbeitete er im größten Herrenmodegeschäft in Wittenberge bei der Firma Richard Krell.Während seiner Wehrdienstzeit bei der Luftwaffe erlitt er schwere Beschädigung, die eine Berufstätigkeit vorerst nicht erlaubte. Schon als Kind bedeuteten ihm die Freiheit auf dem Lande und das Herumstreifen in der Natur sehr viel. Nach seiner Wehrdienstbeschädigung beschäftigte er sich immer mehr mit der Erforschung der heimatlichen Flora und Fauna. Er begann gezielt zu sammeln und zu ordnen. Am Rustin-Institut erwarb er sich durch umfangreiche Fernstudien breites Allgemeinwissen. Nach dem 2. Weltkrieg holte man ihn in die Gemeindeverwaltung, wo er als Sekretär bis 1979 tätig war.

Seine erfolgreichste Zeit begann 1955, als er in Cumlosen, mit Hilfe interessierter Heimatfreunde, die Heimatstube gründete, deren Leitung und Führung er 37 Jahre innehatte. In diese Zeit fiel auch ein dreijähriges Kulturstudium.Willi Westermann gelang es hervorragend, junge Menschen für Naturbeobachtungen- und pflege zu gewinnen. An der Schule leitete er die Arbeitsgemeinschaft "Junge Ornithologen" und gab sein Wissen über Natur und Umwelt an die Kinder weiter. Diese Interessengemeinschaft betreute er, geschickt und gezielt, über 20 Jahre, immer mit neuen Nachwuchs und einem festen Arbeitsprogramm.Über 100 Nistkästen und Sitzrücken für Greifvögel wurden gebaut und angebracht, ebenfalls Wildfutterraufen im Gadower Forst. Sitzbänke wurden gefertigt und für Bürger an erholsamen Stellen im Wald aufgebaut. Über 40 Jahre arbeitete Willi Westermann für den Naturschutz.

Sein Ziel war das Erforschen und Erfassen der heimatlichen Flora und Fauna. Dazu gehörten auch die umliegenden Wasserstellen mit ihren Lebewesen, denLurch- und Kriechtieren und den Schmetterlingen.Die internationaleWasservogelzählung und die Vogelberingung gehörten ebenfaslls zu seinen Forschungsaufgaben, auch systematische Beobachtungen am Neuntöter wurden über Jahre hinweg in Tabellen festgehalten.

Manche Besonderheit wurde von ihm in heimatlichen Gefilden aufgestöbert:
so der Schwarzstorch, Brutplätze der Kraniche,die Sumpfschildkröte im Gadower Forst und die schwarze und die Streifenringelnatter.Seine Forschungsergebnisse fanden bei Wissenschaftlern breite Beachtung und erschienen in Veröffentlichungen, z.B. in den Heften "Naturschutzarbeit in Mecklenburg".Erwähnenswert ist auch seine aufwändige Mitarbeit am "Phänologischen Kalender", der das Verhalten der Pflanzen in verschiedenen Stadien und Jahreszeiten festhält.Hohes Lob erhielt er von Professor Dr. Dr. Dathe für seine ornithologischen Tagebücher. An bestimmten wissenschaftlichen Objekten arbeitete er für namhafteWissenschaftler der Universität Greifswald, die Landschafts- und Naturforschung Halle und dieVogelwarte Hiddensee. Auch im Denkmalschutz und in derUr- und Frühgeschichte war Willi Westermann rege tätig. Oft meldete er sich zu Wort in der Schrift "Information des Bezirksarbeitskreises für Ur- und Frühgeschichte Schwerin". In Professor Dr. Keiling hatte er einen fachmännischen Berater zur Seite und arbeitete eng mit ihm zusammen.

Lukrative Stellenangebote hat er stets ausgeschlagen. Ihm genügte sein "Ländlein Cumlosen".Über alles, was keucht und fleucht, hat Willi Westermann eine Dokumentation geschaffen, die es rechtfertigt, dass sein Name nicht in Vergessenheit gerät. Seine Spuren werden nicht verwehen, denn er hat es verstanden, junge Menschen in seine Fußstapfen treten zu lassen.

Dieses Gedicht befand sich in seinem Nachlass:

 

Am See, der alte Weidenbaum
steht dort wohl hundert Jahr,
er träumt, wie ich, wohl seinen Traum
von dem, was einstens war.
 
Die Zeit, sie kommt, die Zeit, sie geht,
es endet jeder Traum,
wie bald hat wohl der Wind verweht
mich und den Weidenbaum.

Ruh`n wir in tiefer Stille dann,
weht ewig doch der Wind.
Es wächst ein neuer Baum heran,
ein junges Menschenkind.

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